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Razzia in Chongqing

Eingestellt am 25. Juli 2010.

Chongqing im Westen Chinas ist die Heimat von 30 Millionen Menschen. 1997 wurde die Stadt offiziell aus der Provinz Sichuan ausgegliedert und verwaltete sich von da an selbst. In den letzten 10-15 Jahren wurden große Summen in die Stadt investiert, aber mit dem Wohlstand wuchs auch die Korruption.

„Chongqing boomt, aber mit der Ökonomie wuchs auch die Kriminalität, vor allem Erpressung und organisierte Kriminalität. Anwohner berichten, dass Gangs sich in jedem Bereich von Logistik bis Baugewerbe ein großes Stück des Kuchens abschneiden." So das Time Magazine. Seit der Jahresmitte 2009 war Chongqin das Ziel einer Razzia gegen Korruption und organisierte Kriminalität. „Die Gerichtsverhandlungen in Chongqing haben sich ans Land geheftet. Schreckliche Details über einst mächtige Gangster und Regierungsbeamte wurden in öffentlichen Verhandlungen und seiteweise in den täglichen Zeitungen ausgebreitet." Berichtet die Zeit weiter.

Der wahrscheinlich größte Fisch, der in dieser Kampagne ins Netz ging war Wen Qiang, der ehemalige stellvertretende Polizeichef. Ihm wird Bestechlichkeit in Höhe von 12,1 Mio. Yuan vorgeworfen. Im April wurde er zum Tode verurteilt, nachdem er für schuldig befunden wurde, fünf organisierte Banden beschützt zu haben, von ihnen Bestechungsgelder genommen zu haben, um Raub und Immobilienbetrügereien hinzunehmen. Viele Einwohner jubelten, als sie die Neuigkeiten hörten.

Weitere 3.000 angebliche Gangster und 50 Amtspersonen wurden ebenso verhaftet. Viele von ihnen wurden als „angesehene Geschäftsleute oder Politiker" beschrieben. Mindestens vier der Überführten wurden schon exekutiert.

Ein Chinesischer Juraprofessor kommentiert: „Das Urteil hat einen Alarm an alle Polizisten ausgelöst: Schätzt und missbraucht nicht die Macht, die Euch gegeben wurde. Es reflektiert außerdem die Entschlusskraft der Regierung, Korruption zu bekämpfen und hat das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Gerichtssystem wiederhergestellt." (China Daily)
Andere sind weniger optimistisch, was den Langzeit Effekt der Campagne angeht. „Es wird die Situation nicht so sehr verändern. Wenn sie 40-50 der Top Gangster verhaften, werden diese einfach von einer anderen Gruppe ersetzt." Glaubt ein anderer Experte. (Times)

Und das Time Magazine kommentiert: „Die kürzliche Razzia hat Chongqings Not zu einem nationalen Thema gemacht, aber Tatsache ist, dass diese Probleme an der Tagesordnung sind. Bei einem Spaziergang durch praktisch jede Stadt in China kann man Beispiele des schützenden Netzwerkes zwischen organisierter Kriminalität und Strafverfolgungsbehörden sehen. Prostitution und illegale Spielhöllen sind allgegenwärtig, manchmal sogar in direkter Nachbarschaft zu Polizeirevieren."

Betet, dass die Razzia in Chongqing einen Langzeiteffekt auf die Kriminalität und Korruption haben wird. Betet, dass sich andere Beamte die Warnungen zu Herzen nehmen werden und sich bewusst gegen Bestechung und illegale Aktionen entscheiden.

Betet, dass weitere lokale Regierungen das Zerschlagen der Korruption ernst nehmen. Betet, dass weitere hohe Regierungsbeamte solche Razzien veranstalten und weitermachen, bis echte Resultate vorliegen.

Betet, dass solche Razzien einen Einfluss auf das Leben der einfachen Menschen haben werden. Bete, dass die Kultur, Macht und Einfluss durch Geld und „Beziehungen" zu erhalten sich verändert und China zu einer gerechteren Gesellschaft wird.

 

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